Der auditorische Kortex – das Hörzentrum im Gehirn

Der auditorische Kortex ist der Teilbereich des Gehirns, der für das Hören verantwortlich ist. Alle Sinneseindrücke, die das Ohr aufnimmt, werden dorthin geleitet und verarbeitet. Der auditorische Kortex ist hoch organisiert: ähnlich wie die Tasten eines Klaviers nebeneinander angeordnet sind, sind die Nervenzellverbände in einem bestimmten Bereich des Hörzentrums auf eine bestimmte Frequenz „gestimmt“.

 

Tinnitus: synchrone Überaktivität der Nervenzellen im auditorischen Kortex

Welche Auslöser nun auch immer für den Tinnitus verantwortlich sind – Lärm, Medikamente, Stress –, sie führen zu einer Unterbrechung der Signalübertragung vom Ohr zum auditorischen Kortex, d.h., einige Nervenzellverbände erhalten keine Signale mehr. Um beim Bild des Klaviers zu bleiben: einige Tasten des Klaviers fallen aus und können nicht mehr vom Pianisten angeschlagen werden. Die betroffenen Nervenzellverbände reagieren nun aber auf die fehlende Ansprache nicht einfach mit „Schweigen“. Ganz im Gegenteil: Die Nervenzellen fangen spontan an zu „plappern“ (d.h., sie zeigen eine sog. „spontane Aktivität“) und stimmen sich darüber hinaus synchron aufeinander ein. Derartig überaktiv und synchron, gaukeln die Nervenzellen nun dem Gehirn einen Ton vor – den Tinnitus. Im Bild des Klaviers: die kaputten Klaviertasten erzeugen – ohne dass sie von einem Pianisten angeschlagen werden -  permanent einen eigenen Ton.

Auditorischer Kortex

Die Bildung hochsynchroner Nerzwerke – der Tinnitus wird „gelernt“

Die synchrone Überaktivität der Nervenzellen löst fehlerhafte plastische Vorgänge im auditorischen Kortex aus: die synchron feuernden Nervenzellen beginnen sich stärker zu vernetzen. Je besser ihre Vernetzung, desto besser funktioniert auch die Abstimmung ihrer krankhaft synchronen Aktivität. So kommt es zur Bildung eines überaktiven, hochsynchronen Nervenzellnetzwerks mit krankhaft verstärkten Verbindungen. Der Tinnitus wird dauerhaft verankert, das Gehirn hat das Phantom eines Geräusches gelernt.

Aktualisiert ( Freitag, 07. Mai 2010 )