Die CR®-Technologie (CR® = coordinated reset) zur Neuromodulation ist ein neuer therapeutischer Ansatz für Krankheiten, die durch übermäßige neuronale Synchronität gekennzeichneten sind (z.B. Tinnitus oder Morbus Parkinson). Auf Basis eines komplexen mathematischen Algorithmus stören gezielte Impulse die pathologische Synchronität und langfristig „verlernen“ die Neuronen einen Rückfall in den synchronen, krankhaften Zustand. Die gezielten CR®-Impulse können hierbei invasiv (über Elektroden) oder aber akustisch (nicht-invasiv) an die betroffenen Hirnareale abgegeben werden.
Gezielte CR®-Impulse erzeugen eine erste Desynchronität
Zunächst wird das hochsynchrone neuronale Netzwerk durch gezielte Impulse aus dem Takt gebracht, wobei die Impulse räumlich als auch zeitlich versetzt sein müssen. Die räumlich an unterschiedliche Areale adressierten Impulse spalten den synchronen Nervenzellverband in vier räumlich getrennte Untergruppen auf. Die Untergruppen sind in sich synchron – durch die zeitliche Verschiebung der an die unterschiedlichen Areale abgegebenen CR®-Impulse aber in unterschiedlichem Takt zueinander.
 ___Aufspaltung des synchronen Nervenzellverbandes in Untergruppen |
Um die Aufspaltung des synchronen, stark vernetzten Nervenzellverbandes in die Untergruppen vollständig zu erreichen, werden die räumlich und zeitlich versetzten Impulse mehrfach kurz hintereinander abgegeben (Sequenzen 1 bis 3).
Wichtig ist zu beachten, dass die
räumliche als auch zeitliche Steuerung der Impulse maßgeblich entscheidend für die Therapie ist. Die räumliche Ansteuerung der CR
®-Impulse erfolgt beim Parkinson z.B. über die exakte Platzierung der
Tiefenhirn-Stimulationselektroden, bei Tinnitus über die Berechnung der geeigneten Stimulationsfrequenzen. Auch die zeitliche Taktung ist nicht „einfach irgendwie“ gewählt, sondern wird anhand eines komplexen mathematischen Algorithmus (
CR®-Algorithmus) abgestimmt auf die neuronale Aktivität berechnet.
Vollständige Desynchronisation durch das natürliche Selbstorganisationsprinzip
Nach den CR®-Impulsen erfolgt eine Pause – hier lässt man der Natur nun ihren freien Lauf: nach dem sog. „Selbstorganisationsprinzip“ versuchen die krankhaft nach Synchronisation strebenden Neuronen aus einer Untergruppe mit den Zellen aus einer anderen Untergruppe (welche ja in einem anderen Takt „tickt“) in Gleichklang zu kommen – und geraten dabei untereinander kurzfristig komplett aus dem Takt. Es herrscht „gesundes“ desynchrones Chaos! Sie können sich dies bildlich wie beim Singen eines Kanons vorstellen: zunächst singt jede Gruppe die ihr zugewiesene Strophe. Doch nun erfolgt die Anweisung, dass alle die gleiche Strophe singen sollen – aber ohne Dirigent! Alle Sänger werden zunächst munter durcheinander singen – bis man sich nach einer Weile gefunden hat.
Auch hier ist die zeitliche Taktung - die Dauer der Pause – wieder maßgeblich entscheidend für die Therapiewirkung und genau anhand des CR®-Algorithmus abgestimmt auf die neuronale Aktivität berechnet.

___Vollständige Desynchronization
Langfristig kommt die
natürliche Plastizität des Gehirns ins Spiel: Immer wieder aus dem Takt gebracht zu werden, schwächt die krankhaft verstärkten Verbindungen im hochsynchronen, überaktiven Nervenzellverband. Und weil die Verbindungen zwischen den Nervenzellen wieder schwächer werden, können die sich nicht mehr so gut synchronisieren. Das bedeutet:
Die krankhaft synchronen Zellen verlernen die Synchronität – und damit z.B. den Tinnituston.
Die natürliche Plastizität des Gehirns sorgt also selbst für den nachhaltigen Therapieerfolg der CR
®-Neuromodulation.
Aktualisiert ( Freitag, 13. August 2010 )